Eine Tagung veranstalten, ohne ein Konzept zu erarbeiten? Keine Inhalte planen, sondern lieber auf die Ideen der Teilnehmenden hoffen? Klingt nach miserabler Organisation, ist allerdings ein neuartiger Workshop. Und dass ein sogenanntes BarCamp funktioniert, zeigt das Beispiel „Gender Camp 2010“. Hier haben die Teilnehmer vor Ort das Programm für ein ganzes Wochenende gestaltet und außerdem Aktivitäten angeregt, die weit über das Camp hinaus reichen.
Das weltweit erste BarCamp zum Thema Geschlechterverhältnisse und Netzpolitik veranstaltete das ABC Bildungs– und Tagungszentrum e.V. im Mai 2010 im niedersächsischen Hüll. 53 Teilnehmer machten mit, um sich zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Die Gruppe war gemischt: auf der einen Seite Anhänger der feministischen Szene, die in die Netzkultur reinschnuppern wollten, und auf der anderen Seite Netzbewohner, die sich intensiver mit Feminismus und Gender beschäftigen wollten.
Das Camp begann mit einem Brainstorming – möglich war als Programmpunkt für das Wochenende alles, was von den Teilnehmern angeboten wurde. Schließlich fanden insgesamt 25 verschiedene Sessions statt, kleine Sitzungen mit Raum für Diskussionen, Workshops oder Vorträge. Es wurde gebastelt, gelötet, getextet, programmiert, debattiert und präsentiert. Themen rund um das Internet und Geschlechterverhältnisse fanden sich einige: technische, soziale, politische und kulturelle. Schon während und auch nach der Veranstaltung verfassten die Teilnehmer Protokolle und Feedbacks, die sie in einem Blog veröffentlichten.
Gender Camp 2011 – ausgebucht!
Die starke Identifizierung der Teilnehmer mit dem Camp und ihr andauerndes Engagement sind die Grundlage für Projekte, die über die Veranstaltung hinaus fortgeführt werden. Das offene Konzept und die Vielfalt an Methoden und Inhalten schaffte es, neue Zielgruppen für die politische Bildung zu gewinnen. Das Modell des BarCamps kann auf sämtliche Themenbereiche übertragen werden und so die klassischen Seminarangebote der Bildungsstätten ergänzen. Für diese Innovation wurde das Projekt „Gender Camp 2010“ mit dem Sonderpreis Medien ausgezeichnet. Ein voller Erfolg – auch die 60 Plätze für das „Gender Camp 2011“ waren bereits nach wenigen Stunden ausgebucht.
Das „Gender Camp 2010“ wurde durch Fördermittel des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten, der Bundeszentrale für politische Bildung sowie durch Teilnahmebeiträge finanziert.
Sammelblog zur Dokumentation des Gender Camps: gendercamp.posterous.com